Prüfen Sie jede Investitionsmöglichkeit, die Ihnen angeboten wird, auf diese Kriterien. Das gilt für alle Investments, die Sie im Laufe des Lebens machen: Seien es Wertpapiere, Bankkonten, Immobilien, eine teure Weiterbildung, Firmenbeteiligungen, alte Autos oder Kunstgegenstände. Die hier genannten Faktoren haben sich als erfolgsentscheidend für den persönlichen Anlageerfolg erwiesen.
Ertrag. Hiermit werden wir immer wieder geködert: 12 Prozent Rendite, regelmäßige Auszahlungen, Steuervorteil. Wer hat das nicht schon gehört? Tatsächlich haben uns die vergangenen beiden Finanzkrisen gelehrt, dass wir schon mit 1,25% auf dem Zinskonto zufrieden sein können. Seien wir also auf der Hut vor entsprechenden Angeboten und schauen hin, ob das Geschäftsmodell, das sich hinter dem Investment-Produkt verbirgt, uns machbar erscheint. Der gesunde Menschenverstand bringt uns hier meist weiter, als von den Produktinitiatoren erwünscht. Sind Immobilien ein garantierter Wertbringer? Macht das Unternehmen, in das ich investiere, nachhaltig Gewinn? Wo kommen die Auszahlungen her? Vergangene Zahlen sagen nicht viel aus. Meistens wird nämlich eine Investmentidee an den breiten Verteiler verkauft, wenn sie ausgelutscht ist. Zudem läßt sich der Ertrag am Finanzmarkt jederzeit durch Erhöhung von Risiko beliebig steigern. Deswegen: Dort, wo die Erträge besonders hoch sind, genau beim Risiko hinsehen. Und sehen Sie auch hin bei den Kosten, denn als ertragreich gepriesene Finanzprodukte enthalten auch oft die meisten Provisionen.
Risiko. Der Begriff Risiko ist uns allen bekannt von der Risiko-Lebensversicherung. Beiße ich ins Gras, können sich die Angehörigen über etwas Geldsegen freuen. Bei Finanzinstrumenten wäre das ein so genannter Totalausfall: Enron geht pleite, na dann ist das Geld eben weg. Ein weiterer Grund für einen Totalausfall wäre, wenn Sie einem Betrüger aufgesessen sind. Diese Schneeballsysteme kommen immer wieder vor, im Falle Bernie Maddoff waren sogar 50 Mrd. Dollar weg.
Andere Risiken entstehen durch Ihr Investment selbst. Investieren sie in eine Aktie, dann unterliegt diese dem Marktrisiko: Selbst wenn die Firma alles richtig macht, kracht sie mit dem Rest vom Markt in die Tiefe. Die Fachwelt nennt das “Marktbeta”. Außerdem ist das Geschäft der Firma mittelfristig wahrscheinlich von einer Finanz-Krise betroffen. Allgemein wird dieses Risiko gemessen mit einem Mittelwert, der die Schwankungen misst (der Volatilität). Wenn das nicht allzu häufig passiert und vorhersehbar ist, bräuchten wir uns keine Gedanken machen. Die letzten beiden Finanzkrisen lassen die Fachleute jedoch verzweifeln, denn die Märkte sind nicht nur eingebrochen, sondern spielen auch noch verrückt. So mehren sich die Zweifel, ob die Volatilität so ein guter Gradmesser ist.
Ein weiteres, nicht zu vernachlässigendes Risiko entsteht durch Wechselkursschwankungen. Die fallen normalerweise nicht so sehr ins Gewicht, wenn man Werte aus den entwickelten Ländern hält. Das hemmungslose Schuldenmachen der westlichen Welt ist für die Wechselkurse allerdings zu einem Boomerang geworden. Wenn wechselweise mal die europäische Union zerfällt oder die USA gehen werden, dann schwankt der Euro-Dollar-Kurs eben kräftig.
Kosten. Natürlich entstehen bei jedem Investment auch Kosten. Die meisten Kosten werden nämlich zu Beginn fällig, und Ihr Investment kann sich dann nicht mehr richtig entwickeln. Dazu kommen auch nochregelmäßige Kosten. Summa summarum sind die Erträge dann weg oder auf dem Niveau eines weitgehend risikolosen Festgeldkontos. Daher sind die Kosten durchaus entscheidend, angefangen vom Riesterprodukt bis hin zu geschlossenen Fonds.
Fragen sie nach, wie hoch die Kosten sind und wer das Geld bekommt. Die Rechtslage der Anleger wurde übrigens in den letzten zwei Jahren zugunsten der Anleger verändert – die Anbieter müssen nun Auskunft geben über die von ihnen verlangten Kosten. Alternativ können Sie auch Produkte mit möglichst geringen Kosten selbst auswählen – fast automatisch landet man dabei bei Exchange Traded Funds.
Liquidität. Liquidität heißt übersetzt in unsere Situation als Privatanleger “Verfügbarkeit”. Immer steht die Entscheidung im Raum, für wie lange man sich binden möchte und wie hoch die Kosten für Kauf und Verlauf sind. Bei Aktien deutscher Großunternehmen liegt die Differenz zwischen An-und Verkaufspreis oftmals bei einem zehntel Prozent und darunter. Die Liquidität ist so hoch, dass selbst große Orders in Sekundenbruchteilen ausgeführt sind. Bei einem offenen Immobilienfonds glaubte man beim Kauf, dass man seine Anteile börsentäglich zurückgeben könne. Bei geschlossenen Fonds gehen sie meist eine Bindung zwischen 5 und zehn Jahren ein – und für diese Zeit sind Sie an Kostenstruktur und Risiko des Investments gebunden. Ähnliches bei Lebensversicherungen, die nur unter hohen Verlusten aufgelöst werden können. Allerdings werden rund 80 Prozent aller länger als 12 Jahre laufenden Lebensversicherungen wieder gekündigt, ein Desaster für die Anlegergelder. Oder man denke an private Immobilien: Die Transaktionskosten mit Grundsteuer sind immens.
Grundsätzlich gilt: Das liquidere Produkt mit ähnlichem Ertrag, Risiko und Kosten ist das Bessere Investment. Überlegen Sie genau, wann Sie Ihr Geld wieder benötigen. Wenn Ihr Geld in einem womöglich noch ineffizienten Fonds verschwunden ist und Sie für ein aktuelles Projekt einen Kredit aufnehmen müssen, haben Sie viele Stunden umsonst gearbeitet.
Zudem benötigt man als Normalsterblicher sein Geld auch als Reserve für schlechte Zeiten. Das ist mit ein Grund, dass die Reichen immer Reicher werden: Die können sich voll auf die Geldanlage konzentrieren und in schlechten Zeiten ordentlich investieren.






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