In den vergangenen Wochen wurde viel zu Solarstrom geschrieben und diskutiert. Grund genug, die Eignung des Vorhabens als Investment zu prüfen.
Solarstrom. Wie funktioniert Solarstrom? Die Energie der Sonne ist kostenfrei und wird von technischen Vorrichtungen wie Solarzellen oder Wassererhitzern umgewandelt in von uns nutzbare Energie. Solange die Vorrichtungen preiswert genug sind und die Energie zu guten Preisen Abnehmer oder Nutzer findet, handelt es sich um ein gutes Geschäft. Gute Geschäfte bleiben nicht lange unentdeckt, und so entwickelt sich eine Wertschöpfungskette mit entsprechenden Investitionsmöglichkeiten.
Technologie. Die größten Investitionen benötigen neue Technologien. Im Falle der Solarenergie sind dies Umwandler in Strom, die mit Halbleitern aus Silizium arbeiten. Lange Zeit galten diese Solarkollektoren als technologisches “Bottleneck”. Daraus entstand, dank kräftiger staatlicher Subventionen, eine deutsche geförderte Solarzellenproduktion, die vor allem dem Osten von Deutschland Technologieparks schenkte. Zusätzlich wurde die Entwicklung angeheizt durch eine kräftige Einspeisevergütung: Der Preis für Strom wurde, und dies besonders bei Solarkollektoren, für zwanzig Jahre fix vergütet – gesetzlich beschlossen, finanziert von den privaten Strom-Nutzern.
Subvention. Die teure Steuer- und Subventionspolitik hat zweistellige Milliardensummen umverteilt und tatsächlich zu einer hohen Bautätigkeit geführt – obwohl in Deutschland gar nicht so oft die Sonne scheint wie in anderen Ländern und der Output der teuren Anlagen daher nur mittelmäßig ist. Die technisch einfachere und weitaus günstigere thermische Nutzung, also die Erhitzung von Wasser mittels Sonnenenergie, blieb dabei weitgehend unberücksichtigt.
Investment. Wie kann man denn nun als Investor am besten sein Geld in dieser Wertschöpfungskette arbeiten lassen, dachten sich viele Investoren, die ihr Geld gerne gleichermaßen renditeträchtig wie auch umweltreundlich anlegen wollten? Da waren zum Einen die Aktien der börsennotierten deutschen Hersteller von Solarkollektoren. Viel Geschäft wurde auch gemacht mit Solarparks: Grund oder Dachflächen günstig mieten, Solarpanels drauf und kassieren für geförderten Strom. Dazwischen die Berater und Ingenieurbüros, die die wichtigen Konstruktionen liefern und Standorte auf Tauglichkeit prüfen.
Die Beteiligungen an Solarparks verkauften sich prächtig. Selbst jede mittelmäßige Sparkasse hat einen entsprechenden Fonds im Programm. Damit konnten Anleger bis zur kürzlich erfolgten Kürzung der Solarförderung gar nicht schlecht fahren. Allerdings sei angemerkt, dass die Rendite dieser Beteiligungs-Fonds aus dem subventionierten Strom stammt und daneben weitaus größere Summen statt an den Anleger an den Vertrieb der Anlagen-Initiatoren gehen. Das Risiko eines Totalverlustes besteht weiterhin bei dieser Art Fonds. Würde der Strom zudem zu Marktpreisen eingespeist, wären diese Projekte nicht wirtschaftlich. Der Autor dieses Beitrags kennt die Details der zugrunde liegenden Kalkulationen.
Eine weitere Möglichkeit zum Investment waren einst die Aktien der deutschen Solarfirmen. Diese Aktien sind gnadenlos abgestürzt: Viele der Firmen haben nun Insolvenz angemeldet, nachdem chinesische Hersteller die Technologie entwickelten und die deutschen Hersteller mit riesigen Mengen an Kollektoren rechts überholten. Der Preisdruck wurde verstärkt durch die dringende Überarbeitung der generösen Einspeisevergütung, die Solaranlagen weniger lukrativ macht.
Erwähnt werden sollen auch die Eigenheimbesitzer, die Panels auf ihre Dächer montieren. Ein gutes Investment, um die eigene Immobilie aufzuwerten. Aber auch dieses Investment rechnet sich jedoch nur mithilfe der hohen Strompreise bei der Einspeisung.
Alternativen. Trotz des vielen Geldes, was Investoren, der Staat und die Stromkunden (über die Umlage der Einspeisevergütung) für Solarkollektoren in Deutschland eingesetzt haben, sind Solarkollektoren nach wie vor eine Randerscheinung im Spektrum der alternativen Energien.
Mit Wind, Bio-Energie, Geothermie oder Wasserkraft lässt sich regenative Energie je nach Standort durchaus wirtschaftlich in Strom umwandeln, auch ohne peinliche Industriepolitik und Günstlingswirtschaft. Der Anteil vollkommen konventioneller und einfach beherrschbarer Technologien macht diese Investments von Risikoprofil und Rendite vergleichbar mit guten Immobilienprojekten. Gefördert wird auch hier über eine Umlage, aber weniger als bei Solarstrom. Mehr Finesse verlangen Energie-Speicherung, – Verteilung und die Effizienzverbesserung.
Wer etwas gelitten, aber dennoch überlebt hat sind die vielen Berater und Ingenieurbüros – die eigentlichen Innovatoren und Träger der Wende zu erneuerbaren Energien. Deren Know-How reicht noch für Jahre, ist mehr als konkurrenzfähig mit dem Ausland und ist der eigentliche Kern der von den Politikern und Lobbyisten gern beschworenen Marktführerschaft Deutschlands bei alternativen Energien. Aber der Markt ist fragmentiert, viele Unternehmen dieser Art sind nicht am Kapitalmarkt und somit für uns Investoren nur schwer erreichbar.
Fazit. Schon heute gehört die überwiegende Zahl von alternativen Energieprojekten dem Privatanleger – sicher auch durch die vielen Solarkollektoren auf den Dächern der Eigenheimbesitzer. Das Fehlen professioneller Anleger verdirbt leider den Markt: Anlagen oder Beteiligungsmöglichkeiten bleiben teuer, Vertriebe bereichern sich. Die Investment-Möglichkeiten sollten daher sehr behutsam ausgewählt und hinterfragt werden. Die konventionelle Nutzung alternativer Energie bietet aber zumindest eine gute Ausweichmöglichkeit zum derzeit überhitzten Markt für hochwertige Wohnimmobilien – Rendite und Risikoprofil sind vergleichbar. An Innovationen kann man sich über die innovativen Beratungsboutiquen und Ingenieurbüros beteiligen, manchmal gibt es auch Anleihen. Solarbeteiligungen oder Solaraktien bringen nur wenig, diese Blase wird aus Ihrem eigenen Geld finanziert – falls Sie Steuern zahlen und Strom beziehen. Aber bitte alles nicht blind kaufen und mögen, sondern mit unternehmerischem Spürsinn prüfen – es ist Ihr Geld.





